So, ihr Lieben, dann wollen wir mal weitermachen.
10. Kapitel - Ein warmes Willkommen
Sie trieben auf dem Fluss dahin und während Bilbo den Elben auf dem Floss lauschte erblickte er plötzlich den Einsamen Berg.
Ihm wurde bald klar, dass er mehr als Glück hatte, den Berg überhaupt zu sehen. Mittlerweile war die Gegend nur noch auf dem Wasserweg befahrbar und der Verkehr auf dem Fluss nahm stark zu. Zu Zeiten der Zwerge - die für alle dunkelste Vergangenheit war - waren die Wege per Land noch gepflegt und man konnte sicheren Weges ziehen.
Die Menschen am See und die Waldelben waren mittlerweile zerstritten darüber, wer den Nachtflusssee offen halte sollte und wer für die Uferpflege verantwortlich war.
Große Überschwemmungen und Wolkenbrüche hatten alle Flüsse, die ostwärts zogen anschwellen lassen. Im Stillen machten die Menschen auch den Drachen Smaug dafür verantwortlich, dass die Erdbeben in letzter zeit häufiger wurden. Die Sümpfe und Moore hatten sich auf dem Landweg immer weiter ausgebreitet. Frühere Wege waren verschwunden und auch durch gezieltes Suchen nicht wieder gefunden worden.
Selbst der Elbenweg durch den Nachtwald war an vielen Stellen mehr als unsicher.
Selbst Gandalf hatte inzwischen Nachrichten über die Reise der Gesellschaft erhalten und er war mehr als beunruhigt. Seine Geschäfte hatte er mittlerweile abgeschlossen und wollte nun schnellst möglich zu Thorin und seinen Leuten zurück, um ihnen beizustehen.
Bilbo ahnte davon jedoch nichts, er war schlecht gelaunt, hatte einen Schnupfen und wollte eigentlich nur noch eins - runter vom Floss.
Die Sonne war schon untergegangen, als sie endlich am Langen See ankamen. Bilbo hatte noch nie soviel Wasser auf einmal gesehen und konnte es sich vorher auch nie vorstellen. Nicht weit von der Mündung des Nachtwaldflusses lag die seltsame Stadt, von der er in den Kellern des Elbenkönigs gehört hatte. Sie war nicht am Ufer gebaut, sondern lag in der Mitte des See`s vor einer ruhigen Bucht und einem felsigen Vorgebirge.
Früher war Seestadt noch reich gewesen und hatte eine riesige Schiffsflotte. Nur noch wenige erinnerten sich an die Zeit, bevor der Drachen kam, die Zwerge verschwanden und der Fürst von Dal gestürzt wurde.
Einige sangen noch die alten Lieder, die versprachen, dass Thror und Thrain aus dem Geschlecht Durins wieder kamen und viel Gold durch das Bergtor am Nordende des Sees fließen würde.
Die Flösser wurden mit lauten Rufen begrüßt und das Floß an einer Felsflanke fest gemacht. Verteilt wurden sie heute nicht, da in der Stadt ein großes Fest war und die Elben dazu eingeladen worden waren.
Bilbo hatte angefangen, ein großes Fass zu lösen und den ersten Zwerg zu befreien. Es war Thorin, der zerschlagen und zerschunden aus dem Fass kroch und es dauerte eine ganze Weile, bis er dem Hobbit gegenüber freundlich gesinnt war.
Nachdem Thorin eingesehen hatte, wem er seine Freiheit verdankte half er Bilbo, die anderen zu befreien. Dies war eine sehr mühsame Aufgabe, den auf Klopfen und Rufen an den Fässern antworteten nur 6 der Zwerge. Kili und Fili waren die einzigen der sechs, die die Sache mit Humor nahmen und Thorin und Bilbo halfen. Fili wollte nur eins, nie wieder Äpfel riechen, da er den ganzen Weg in einem Apfelfass verbracht hatte.
Als die letztes mehr recht als schlecht aus den Fässern befreit waren, bedankte sich thorin nochmals bei Bilbo und fragte, was in der Nähe wäre. Bilbo erklärte darauf hin, dass sie in Seestadt wären.
Zu viert machten sie sich auf den Weg nach Seestadt. Als Thorin den mehr als nachlässigen Wachen der Stadt erklärt hatte, wer er war und was er wollte, entstand eine sichtliche Aufregung.
Nach einigem Hin und Her erklärte sich der Hauptmann der Wache bereit, die vier zum Meister der Stadt zu bringen.
Als sie am Festsaal ankamen hatte der arme Hauptmann überhaupt gar keine Chance irgend etwas zu sagen, denn Thorin schrie seine Ansprüche sofort heraus.
am überraschtesten waren jedoch die Elbenflösser, die sofort aufsprangen und schrien, dass das die Gefangenen des Elbenkönigs waren und warfen ihnen Herumstreunerei vor.
Thorin entgegnete auf Nachfrage des Meisters der Stadt, dass der Elbenkönig sie ungerechtfertigter Weise gefangen genommen und ihn somit daran gehindert hatte, in sein eigenes Land zurückzukehren, wie es vor langer Zeit prophezeit worden war.
Des weiteren spräche er mit dem Meister der Stadt, da ja die Elben hier nichts mehr zu sagen hätten.
Dieser zögerte jedoch zu lange mit seiner Antwort und er wurde von denen, die die alten Lieder noch kannten überstimmt.
Die Neuigkeit darüber, dass der Zwergenkönig vom Berg zurück gekehrt war, verbreitete sich in Windeseile und es störte sich niemand daran, dass es der Enkel jenes Zwergenkönigs war, der von seinem Recht Gebrauch machte.
Es wurden Lieder gesungen und gelacht und gelärmt. Der Meister fügte sich seinem Schicksal und bot Thorin seinen Stuhl am Tisch an und Fili und Kili bekamen Ehrenplätze an der Tafel. Auch Bilbo wurde nicht vergessen und in der ganzen Aufregung vergaßen sie, ihn zu fragen, was er mit der ganzen Sache zu tun hatte.
Selbst die Elben waren sich unsicher und wussten nicht, was sie tun sollten und dachten schon, ihr König hätte einen großen Fehler begangen. Die anderen Zwerge wurde dazu geholt, ihre Wunden verbunden und gefüttert. Sie bekamen ein großes Haus zugewiesen und sowie sich auch nur eine Zwergennase draußen zeigt, begann das Volk von Seestadt zu jubeln.
Die Zwerge wurden wieder kräftiger und nach knapp einer Woche hatten sie sich wieder von ihren Strapazen erholt. Auch die Zuneigung der Zwerge zu Bilbo wuchs mit Stunde um Stunde. Es wurde auf ihn getrunken und angestoßen und sich machten allerhand Theater um ihn.
Bei Bilbo hob sich indes die Stimmung nicht ganz, denn er hatte den Anblick des Berges noch nicht vergessen, noch den dazu gehörigen Drachen und er war schwer erkältet.
Die Elben waren mittlerweile auch in den Königspalast zurück gekehrt und obwohl Bilbo in Seestadt nie den Ring benutzte, hatten die Elben doch mehr erraten, als man vermutete. Jedoch blieb Bilbo immer noch geheimnisumwittert. Allerdings wusste der Elbenkönig jetzt über die Absichten der Zwerge bescheid bzw. glaubte es zumindest zu wissen.
Allerdings glaubte er nicht daran, dass die Zwerge offen kämpfen würden und sogar Smaug, den Drachen umbringen könnten.
Er hatte den Verdacht, dass die Zwerge irgend etwas anderes vor hatten und so war er zumindest schlauer als die Menschen in der Stadt. Er sandte Späher aus und wartete...
Nach weiteren zwei Wochen war Thorin der Ansicht, dass jetzt die Zeit zum Weiterziehen gekommen war. Da immer noch Begeisterung in der Stadt über ihr Dasein herrschte, schien es ihm auch günstig dafür in der Stadt Hilfe zu erhalten.
Er sprach mit dem Meister der Stadt, der dann doch erstaunt war, dass die Zwerge zum Berg gehen wollten. Im Stillen hatte vermutet, dass die Zwerge Betrüger waren und eines Tages entlarvt werden. Jedoch war er sehr froh darüber, dass die Zwerge die Stadt verlassen wollten, denn die ganze Verköstigung war etwas kostspielig geworden.
So verließen sie denn mit drei großen Booten und viel Verpflegung an Bord die Stadt. Die Pferde und Ponys wurden auf Umwegen voraus geschickt worden, um sie dann am Landeplatz zu erwarten.
Der letzte Abschnitt der Reise war angebrochen und der Einzige, der darüber ganz und gar nicht glücklich war, war unser kleiner Hobbit.