Lesezirkel "Der kleine Hobbit" von J.R.R. Tolkien




Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,
ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden ...

Beitragvon Demona » Di 26. Aug 2008, 12:49

@ Cellmo

Hmm, ich denke jedoch nicht, dass er unter den Elben seine wahre kraft entfalten konnte. D.h. negative Auswirkungen auf Bilbo haben.
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von Anzeige » Di 26. Aug 2008, 12:49

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Beitragvon nevermore » Di 26. Aug 2008, 13:00

Wenn es das mit dem Ring ist, worauf das Kapitel hinausläuft, dann wäre da meiner Ansicht nach ein Hinweis darauf dringewesen - irgendetwas in der Art, dass sich der Ring bei Bilbo bemerkbar macht. Grade im Hobbit ist Tolkien mit solchen Hinweisen sonst eher deutlich (Kinderbuch). Hinzu kommt, dass man das mit den vier Wochen Aufenthalt doch leicht überliest.

Was in jedem Fall sein könnte, ist, dass den Elben ein paar Grautöne verpasst werden sollten, denn Elrond und seine Leute kamen doch sehr positiv weg. Dass die Waldelben nicht die Inkarnation der Güte sind, deutete sich zwar schon bei Thorins Gefangennahme im letzten Kapitel, wo es aber in der ganzen Spinnen-Geschichte doch etwas unterging.
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Beitragvon Demona » So 7. Sep 2008, 15:58

So, ihr Lieben, dann wollen wir mal weitermachen. :wink:


10. Kapitel - Ein warmes Willkommen



Sie trieben auf dem Fluss dahin und während Bilbo den Elben auf dem Floss lauschte erblickte er plötzlich den Einsamen Berg.
Ihm wurde bald klar, dass er mehr als Glück hatte, den Berg überhaupt zu sehen. Mittlerweile war die Gegend nur noch auf dem Wasserweg befahrbar und der Verkehr auf dem Fluss nahm stark zu. Zu Zeiten der Zwerge - die für alle dunkelste Vergangenheit war - waren die Wege per Land noch gepflegt und man konnte sicheren Weges ziehen.
Die Menschen am See und die Waldelben waren mittlerweile zerstritten darüber, wer den Nachtflusssee offen halte sollte und wer für die Uferpflege verantwortlich war.
Große Überschwemmungen und Wolkenbrüche hatten alle Flüsse, die ostwärts zogen anschwellen lassen. Im Stillen machten die Menschen auch den Drachen Smaug dafür verantwortlich, dass die Erdbeben in letzter zeit häufiger wurden. Die Sümpfe und Moore hatten sich auf dem Landweg immer weiter ausgebreitet. Frühere Wege waren verschwunden und auch durch gezieltes Suchen nicht wieder gefunden worden.
Selbst der Elbenweg durch den Nachtwald war an vielen Stellen mehr als unsicher.
Selbst Gandalf hatte inzwischen Nachrichten über die Reise der Gesellschaft erhalten und er war mehr als beunruhigt. Seine Geschäfte hatte er mittlerweile abgeschlossen und wollte nun schnellst möglich zu Thorin und seinen Leuten zurück, um ihnen beizustehen.
Bilbo ahnte davon jedoch nichts, er war schlecht gelaunt, hatte einen Schnupfen und wollte eigentlich nur noch eins - runter vom Floss.

Die Sonne war schon untergegangen, als sie endlich am Langen See ankamen. Bilbo hatte noch nie soviel Wasser auf einmal gesehen und konnte es sich vorher auch nie vorstellen. Nicht weit von der Mündung des Nachtwaldflusses lag die seltsame Stadt, von der er in den Kellern des Elbenkönigs gehört hatte. Sie war nicht am Ufer gebaut, sondern lag in der Mitte des See`s vor einer ruhigen Bucht und einem felsigen Vorgebirge.
Früher war Seestadt noch reich gewesen und hatte eine riesige Schiffsflotte. Nur noch wenige erinnerten sich an die Zeit, bevor der Drachen kam, die Zwerge verschwanden und der Fürst von Dal gestürzt wurde.
Einige sangen noch die alten Lieder, die versprachen, dass Thror und Thrain aus dem Geschlecht Durins wieder kamen und viel Gold durch das Bergtor am Nordende des Sees fließen würde.

Die Flösser wurden mit lauten Rufen begrüßt und das Floß an einer Felsflanke fest gemacht. Verteilt wurden sie heute nicht, da in der Stadt ein großes Fest war und die Elben dazu eingeladen worden waren.
Bilbo hatte angefangen, ein großes Fass zu lösen und den ersten Zwerg zu befreien. Es war Thorin, der zerschlagen und zerschunden aus dem Fass kroch und es dauerte eine ganze Weile, bis er dem Hobbit gegenüber freundlich gesinnt war.
Nachdem Thorin eingesehen hatte, wem er seine Freiheit verdankte half er Bilbo, die anderen zu befreien. Dies war eine sehr mühsame Aufgabe, den auf Klopfen und Rufen an den Fässern antworteten nur 6 der Zwerge. Kili und Fili waren die einzigen der sechs, die die Sache mit Humor nahmen und Thorin und Bilbo halfen. Fili wollte nur eins, nie wieder Äpfel riechen, da er den ganzen Weg in einem Apfelfass verbracht hatte.
Als die letztes mehr recht als schlecht aus den Fässern befreit waren, bedankte sich thorin nochmals bei Bilbo und fragte, was in der Nähe wäre. Bilbo erklärte darauf hin, dass sie in Seestadt wären.
Zu viert machten sie sich auf den Weg nach Seestadt. Als Thorin den mehr als nachlässigen Wachen der Stadt erklärt hatte, wer er war und was er wollte, entstand eine sichtliche Aufregung.
Nach einigem Hin und Her erklärte sich der Hauptmann der Wache bereit, die vier zum Meister der Stadt zu bringen.
Als sie am Festsaal ankamen hatte der arme Hauptmann überhaupt gar keine Chance irgend etwas zu sagen, denn Thorin schrie seine Ansprüche sofort heraus.
am überraschtesten waren jedoch die Elbenflösser, die sofort aufsprangen und schrien, dass das die Gefangenen des Elbenkönigs waren und warfen ihnen Herumstreunerei vor.
Thorin entgegnete auf Nachfrage des Meisters der Stadt, dass der Elbenkönig sie ungerechtfertigter Weise gefangen genommen und ihn somit daran gehindert hatte, in sein eigenes Land zurückzukehren, wie es vor langer Zeit prophezeit worden war.
Des weiteren spräche er mit dem Meister der Stadt, da ja die Elben hier nichts mehr zu sagen hätten.
Dieser zögerte jedoch zu lange mit seiner Antwort und er wurde von denen, die die alten Lieder noch kannten überstimmt.
Die Neuigkeit darüber, dass der Zwergenkönig vom Berg zurück gekehrt war, verbreitete sich in Windeseile und es störte sich niemand daran, dass es der Enkel jenes Zwergenkönigs war, der von seinem Recht Gebrauch machte.

Es wurden Lieder gesungen und gelacht und gelärmt. Der Meister fügte sich seinem Schicksal und bot Thorin seinen Stuhl am Tisch an und Fili und Kili bekamen Ehrenplätze an der Tafel. Auch Bilbo wurde nicht vergessen und in der ganzen Aufregung vergaßen sie, ihn zu fragen, was er mit der ganzen Sache zu tun hatte.
Selbst die Elben waren sich unsicher und wussten nicht, was sie tun sollten und dachten schon, ihr König hätte einen großen Fehler begangen. Die anderen Zwerge wurde dazu geholt, ihre Wunden verbunden und gefüttert. Sie bekamen ein großes Haus zugewiesen und sowie sich auch nur eine Zwergennase draußen zeigt, begann das Volk von Seestadt zu jubeln.
Die Zwerge wurden wieder kräftiger und nach knapp einer Woche hatten sie sich wieder von ihren Strapazen erholt. Auch die Zuneigung der Zwerge zu Bilbo wuchs mit Stunde um Stunde. Es wurde auf ihn getrunken und angestoßen und sich machten allerhand Theater um ihn.
Bei Bilbo hob sich indes die Stimmung nicht ganz, denn er hatte den Anblick des Berges noch nicht vergessen, noch den dazu gehörigen Drachen und er war schwer erkältet.

Die Elben waren mittlerweile auch in den Königspalast zurück gekehrt und obwohl Bilbo in Seestadt nie den Ring benutzte, hatten die Elben doch mehr erraten, als man vermutete. Jedoch blieb Bilbo immer noch geheimnisumwittert. Allerdings wusste der Elbenkönig jetzt über die Absichten der Zwerge bescheid bzw. glaubte es zumindest zu wissen.
Allerdings glaubte er nicht daran, dass die Zwerge offen kämpfen würden und sogar Smaug, den Drachen umbringen könnten.
Er hatte den Verdacht, dass die Zwerge irgend etwas anderes vor hatten und so war er zumindest schlauer als die Menschen in der Stadt. Er sandte Späher aus und wartete...

Nach weiteren zwei Wochen war Thorin der Ansicht, dass jetzt die Zeit zum Weiterziehen gekommen war. Da immer noch Begeisterung in der Stadt über ihr Dasein herrschte, schien es ihm auch günstig dafür in der Stadt Hilfe zu erhalten.
Er sprach mit dem Meister der Stadt, der dann doch erstaunt war, dass die Zwerge zum Berg gehen wollten. Im Stillen hatte vermutet, dass die Zwerge Betrüger waren und eines Tages entlarvt werden. Jedoch war er sehr froh darüber, dass die Zwerge die Stadt verlassen wollten, denn die ganze Verköstigung war etwas kostspielig geworden.
So verließen sie denn mit drei großen Booten und viel Verpflegung an Bord die Stadt. Die Pferde und Ponys wurden auf Umwegen voraus geschickt worden, um sie dann am Landeplatz zu erwarten.

Der letzte Abschnitt der Reise war angebrochen und der Einzige, der darüber ganz und gar nicht glücklich war, war unser kleiner Hobbit.
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Beitragvon nevermore » Do 11. Sep 2008, 16:53

Na, die Zwerge hats ja schlimm erwischt bei der Fässer-Reise, die haben ganz schön was abgekriegt.

Seltsam, dass die Menschen nicht an den Drachen glauben, obwohl sie doch Elben und Zwerge und Hobbits gewöhnt sind.

Thorin ist wirklich ein Schussel, dermaßen lautstark in das Dorffest reinzuplatzen und nicht bloß herumzuposaunen, wer sie sind, sondern auch noch Besitzansprüche anzumelden. Das hätte auch anders ausgehen können. Aber anscheinend war sein Großvater in der Seestadt ja sehr beliebt. Oder der Elbenkönig ist es nicht ...

Haben die Elben eigentlich irgendeinen Grund, Anspruch auf den Schatz zu erheben?
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Beitragvon Demona » Do 11. Sep 2008, 17:19

Seltsam, dass die Menschen nicht an den Drachen glauben, obwohl sie doch Elben und Zwerge und Hobbits gewöhnt sind.


Nun, die älteren glauben ja noch daran und erzählen ja auch immer, dass sie, als sie noch jung waren, einen Drachen haben fliegen sehen.
Aber ich denke mal, dass es typisch für die Menschen ist. Was man selber nicht gesehen hat, erklärt man halt zum Ammenmärchen.
Bei den Zwergen und den Elben gehören die Erzählungen und "Geschichten" aus der Vergangenheit wohl zur Grundausbildung und werden schon mit der Muttermilch eingesogen.

Haben die Elben eigentlich irgendeinen Grund, Anspruch auf den Schatz zu erheben?


Als Thorin dem Elbenkönig vorgeführt wurde, wurde erwähnt, dass es früher mal einen Krieg zwischen Elben und Zwergen gab (aber nicht mit Thorins Geschlecht).
Ging wohl darum, dass die Zwerge dem Elbenkönig sein Gold geklaut hätten, aber die widerum behaupteten, sie hätten sich nur die Bezahlung geholt. ein Teil des Goldes und der Edelsteine war wohl die Bezahlung für das Schmieden etc. gewesen.

Thorin ist wirklich ein Schussel, dermaßen lautstark in das Dorffest reinzuplatzen und nicht bloß herumzuposaunen, wer sie sind, sondern auch noch Besitzansprüche anzumelden. Das hätte auch anders ausgehen können.


Da hatte er in der Hinsicht Glück, dass der Meister der Stadt nicht sehr beliebt war und sich die Leute durchsetzten, die hofften, von den Zwergen profitieren zu können.
Einige wussten halt noch, dass Seestadt zu Zeiten der Zwerge sehr reich war und es gab ja auch immer noch das Gerücht von dem Schatz, den die Zwerge damals zurück lassen mussten.

Aber ist euch schon mal aufgefallen, dass die Menschen hier nicht gerade gut weg kommen? Wenn man es genauer betrachtet.
Ohne eigentlich genau zu hinterfragen, glauben sie den Aussagen Thorins, sie beköstigen sie, geben ihnen neue Kleidung und Unterkunft. Ja, sie werden fast zu Helden und Retter von Seestadt erkoren. Da gibt es keinen Zweifel und die Proteste der Elben, mit denen sie ja bisher auch gute Geschäfte gemacht haben, werden einfach übergangen.
Am Ende werden sie auch noch für ihre letzte Etappe ausstaffiert.

Ich finde das schon reichlich naiv von den Seestadtleuten. Sie kommen ja noch nicht mal auf die Idee, dass sie vllt. durch das Erscheinen der Zwerge und deren Besitzansprüche an den Einsamen Berg in Gefahr sein könnten.
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Beitragvon Cellmorbasg » Do 11. Sep 2008, 17:50

Nun, die älteren glauben ja noch daran und erzählen ja auch immer, dass sie, als sie noch jung waren, einen Drachen haben fliegen sehen.
Aber ich denke mal, dass es typisch für die Menschen ist.


Ich denke, dass es genau Tolkiens Absicht war die Menschen hier ein bisschen klischeehaft darzustellen. Es sind, von der außergewöhnlichen Person Beorn einmal abgesehen, die ersten Menschen die wir näher kennenlernen.

Aber ist euch schon mal aufgefallen, dass die Menschen hier nicht gerade gut weg kommen? Wenn man es genauer betrachtet.
Ohne eigentlich genau zu hinterfragen, glauben sie den Aussagen Thorins, sie beköstigen sie, geben ihnen neue Kleidung und Unterkunft. Ja, sie werden fast zu Helden und Retter von Seestadt erkoren. Da gibt es keinen Zweifel und die Proteste der Elben, mit denen sie ja bisher auch gute Geschäfte gemacht haben, werden einfach übergangen.


Nun die Menschen, die eigentlich den Glauben an die alten Geschichten verloren haben - bekommen mit den Zwergen vor Augen geführt, dass sie vielleicht doch wahr sein könnten.
Im Handel scheinen die Menschen der Seestadt ja recht tüchtig zu sein - da sind sie sicher gegenüber den Elben darauf bedacht so viel wie möglich für sich herauszuholen.
In den Zwergen sehen sie sicher auch den möglichen Gewinn. Das es um den geht, sieht man ja am Verhalten des Bürgermeisters.


Thorin ist wirklich ein Schussel, dermaßen lautstark in das Dorffest reinzuplatzen und nicht bloß herumzuposaunen, wer sie sind, sondern auch noch Besitzansprüche anzumelden.

Die Selbstverständlichkeit mit der der Gang in die Stadt als einzige Alternative angeboten wurde, hat auch mich überrascht. Zwei mögliche Gründe sehe ich dafür:
1. Das Buch neigt sich langsam dem Ende entgegen - das Erzähltempo soll vielleicht erhöht werden.
2. Der Adressat des Buches (Kinder) würde sicher auch nicht lange überlegen und abwegen, sondern eher unbekümmert handeln.
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Beitragvon Demona » Mo 15. Sep 2008, 14:37

Dann werden wir mal weiter machen... :wink:


11. Kapitel - Auf der Türschwelle



Zwei Tage waren sie auf dem See unterwegs und dabei sahen sie den Einsamen Berg vor sich aufragen. Am Ende des dritten Tages erreichten sie das Ufer und trafen auf ihre Ponys und den Rest der Verpflegung. Die Menschen, die sie bis hierher begleitet hatten, wollten jedoch nicht bleiben. Sie hatten mehr Angst vor dem Drachen und glaubten noch nicht ganz an Thorin und machten sich somit lieber auf den Heimweg.
Am nächsten Morgen brachen sie in Richtung des Berges auf. Es war eine mühsame Reise und die Stimmung wurde immer bedrückter, je näher sie dem Berg kamen. Sie wussten, dass sie sich dem Ende der Reise näherten und das es auch gleichzeitig ihr Ende sein konnte.
Das Land wurde immer öder und einsamer und weit und breit erblickte man nichts als verbrannte Erde und verkohlte Baumstümpfe. Keiner konnte sich mehr vorstellen, wie das grün und fruchtbar das land laut Thorins Erzählungen einmal gewesen sein sollte.

Am Fuß des Berges konnten sie kein Anzeichen von Smaug entdecken. An einer Anhöhe namens Rabenberg errichteten sie ihr erstes Lager. Sie wagten jedoch noch nicht, den Berg herauf zuklettern. Thorin plante Späher auszusenden, um zu erfahren, was südlich der sogenannten Vordertür zu gange war. Der erste Trupp bestand aus Balin, Fili, Kili und Bilbo entschloss sich, sie zu begleiten.
Zum Haupttor wagten sich die Zwerge nicht, jedoch rührte sich nichts, außer Qualm und Wasser und hin- und wieder eine schwarze Krähe, die über die Ödnis flog.

Düster und geknickt kam der Trupp wieder zum Lager zurück. Sie waren am Ende ihrer Reise angekommen, aber es kam ihnen vor, als wären sie weiter vom ziel entfernt wie zu Beginn ihrer Reise. Der einzige, der noch über einen kleinen Rest von Unternehmungsgeist verfügte, war erstaunlicherweise unser kleiner Hobbit. Bilbo studierte immer wieder gründlich über Thorins Karte und grübelte über die Runen und Zeichen nach. Er war es auch, der die Zwerge dazu zwang, endlich die gefährliche Suche nach Tür an den Westhängen zu beginnen.
Sie verlegten ihr lager in ein anderes Tal, wo die Verwüstungen des Drachen nicht so schlimm waren und ihre Ponys sogar grasen konnten.
Tagelang suchten sie ohne Erfolg und auf einen ihrer Rückweg zum Lager fanden sie durch Zufall, was sie die ganze Zeit gesucht hatten. Als Bilbo beim Klettern über Geröll hinter einen großen Stein kroch, sah er etwas, was wie roh gehauene Stufen aussah, die nach oben führten. Der Weg führte bis hinauf auf einen schmalen Felssims. Beim Hinuntersehen bemerkten sie, dass sich ihr Lager direkt unten ihnen befand. Sie folgten dem Sims und als sich die Wand öffnete befanden sie sich auf einen kleinen Steilkessel, auf dessen Boden sogar Gras wuchs. Den Eingang hatten sie von unten nicht bemerkt, da die überhängenden Klippen ihn von unten verborgen hatten.
Am hinteren Ende war nur eine Wand, die sehr glatt war und über keine Fugen und Risse verfügte. Obwohl kein Riegel, Schlüsselloch oder sonst etwas zu sehen war, wussten sie mit ziemlicher Sicherheit, dass sie die Geheimtür gefunden hatten.
Nachdem sie vergeblich versucht hatten, sie mit Beschwörungen und Zauberformeln zu öffnen, begannen sie den schweren Abstieg.
Im Lager herrschte nach ihrer Ankunft große Aufregung. Sie beschlossen, bis auf Bofur und Bombur, die als Wache für die Ponys und Lebensmittel zurück bleiben sollten. Durch den engen und steilen Aufstieg konnten die anderen keine Bündel und Lasten tragen. Sie trugen nur jeder eine Rolle Tauwerk um die Hüfte gewickelt und so erreichten sie ohne Zwischenfälle den Kessel.
Sie errichteten ihr neues Lager und hievten mit Hilfe der Taue die benötigten Sachen aus der Tiefe herauf. Hin und wieder ließen sie auf diese Weise auch einen der unternehmungslustigsten Zwerge herab, um Neuigkeiten auszutauschen.

Während dessen versuchten die anderen mit allen Mitteln die Tür zu öffnen. Keiner dachte mehr an die Runen oder die Mondschrift, sie waren viel zu bemüht irgend eine Öffnung an der glatten Oberfläche zu finden. sie gingen dann dazu über, mit dem mitgebrachten Werkzeug auf den Stein einzuhacken. Die Spitzhacken zerbrachen jedoch am Stein, außerdem verursachte die Hackerei einen Riesenlärm und machte ihnen Angst.
Bilbo saß unterdessen auf der sogenannten Türschwelle und langweilte sich sehr. Er erinnerte sich an die Zeit in seiner Hobbithöhle und daran, wie er sagte, dass sie sich nur auf die Türschwelle zu setzten brauchten und ihnen würde schon etwas einfallen.
Von Tag zu Tag wurden die Zwerge mürrischer und ihr Unternehmungsgeist, der beim Anblick des Pfades wieder erwacht war, verblasste allmählich wieder.

Eines Tages erwähnte Thorin, dass am nächsten Tag die letzte Herbstwoche begann. Das machte die Zwerge nicht glücklicher und einige begannen zu fragen, warum der Hobbit nicht auch mal langsam wieder was tat und den Ring nutzte und die Gegend ausspähte.
Dies machte Bilbo nicht glücklicher und er fragte sich, warum er immer den Zwergen aus der Klemme helfen musste.
In der kommenden Nacht schlief Bilbo sehr schlecht und fühlte sich sehr elend am kommenden Tag. Er starrte nur auf einen großen grauen Stein, auf dem große Schnecken ihre Schleimspur zogen oder blickte auf durch die enge Öffnung des Talkessels hinaus. Bilbo hatte das sonderbare Gefühl, auf etwas zu warten.
In dem Moment hörte Bilbo ein lautes Geräusch hinter sich. Eine große schwarze Drossel hatte eine der Schnecken auf dem großen grauen Stein gegriffen und schmetterte sie dagegen. In diesem Augenblick begriff es Bilbo und er rief nach den Zwergen. Bis auf Bombur, der mal wieder schlief, kamen alle angerannt. Er erklärte es ihnen und alle standen wartend mit zitternden Bärten da.
Die Sonne ging unter und ihre Hoffnungen schwanden langsam wieder. Nur Bilbo stand bewegungslos da und wartete.
Der Mond ging auf und der Abend brach an. Als sie ihre Hoffnung schon aufgegeben hatten, stieß ein roter Sonnenstrahl durch einen Wolkenriß und fiel auf die glatte Felswand.
Die Drossel, die hoch oben gewartet hatte ließ einen lauten Pfiff ertönen und ein lautes Krachen erfolgte. Ein flaches Stück splitterte vom Fels ab und ein kleines Loch erschien kurz über dem Boden.
Als wollten sie die Gelegenheit nicht ungenützt lassen, stürzten die Zwerge zur Wand und stemmten sich dagegen, aber nichts passierte.
Es war wieder einmal Bilbo, der den rettenden Einfall hatte und nach Thorin rief und ihn nach dem Schlüssel fragte, der bei der Karte war.
Thorin nahm den Schlüssel und steckte ihn in das Loch - er passte und ließ sich drehen. Genau in dem Augenblick erlosch das Licht, die Sonne sank und der Mond verschwand!
Alle stemmten sich gegen die Wand und nach und nach gab ein Stück nach. Es war die Tür und sie öffnete sich langsam nach innen. Tiefe Finsternis empfing sie, sie konnten nichts erkennen außer einen gähnenden Rachen, der abwärts in den Berg führte.


Diesmal war es ja ein kurzes, aber auch sehr aufschlussreiches Kapitel. Sie waren am Ziel ihrer Reise angekommen und aus den Erzählungen von Thorin und Balin erfuhren die anderen, wie wunderschön die Gegend einmal gewesen war.
Hinter dem Berg gab es die Stadt Dal, die aber wie die komplette Gegend um den Einsamen Berg von Smaug fast zerstört worden war.
In den Anhängen wir Dal Thal genannt, warum habe ich leider nicht herausgefunden.
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Beitragvon Darth Destructo » Mo 15. Sep 2008, 15:28

In den Anhängen wir Dal Thal genannt, warum habe ich leider nicht herausgefunden.


Das hängt mit den Übersetzungen zusammen. Auf Englisch heißt die Stadt "Dale". Ich glaube, Thal ist die Übersetzung, die in HdR verwendet wird.
Die Dunkle Seite der Macht ist der Pfad zu mannigfaltigen Fähigkeiten, welche manche von uns für unnatürlich halten.
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Beitragvon Cellmorbasg » Mo 15. Sep 2008, 18:22

Interessant vielleicht nochmal die Worte der Karte die in Mondrunen verfasst waren, in Erinnerung zu rufen:
Stellt euch an den grauen Stein, wenn die Drossel schlägt und der letzte Sonnenstrahl am Durinstag auf das Schlüsselloch fällt


Zu Dal/Thal:
In meiner Kreege-Übersetzung vom Hobbit heißt es auch schon Thal.
Offensichtlich hat nur Scherf in seiner Übersetzung den Namen Dal verwendet.

Übrigens stehen in der Herr der Ringe die Gefährten auch vor einer verschlossenen Tür und wie in diesem Fall so trägt auch dort ein Hobbit zur Öffnung der Tür bei.

Was ich mich frage: Hat es eine tiefere Bedeutung, dass es ausgerechnet eine Drossel ist? Oder spielt das keine Rolle und jeder Vogel wäre recht gewesen? Zuvor tauchen ja auch schon Vögel in dem Kapitel auf (u.a. eine Krähe), allerdings werden sie von der Reisegruppe als Späher angesehen.
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Beitragvon Demona » Di 16. Sep 2008, 12:41

Was ich mich frage: Hat es eine tiefere Bedeutung, dass es ausgerechnet eine Drossel ist? Oder spielt das keine Rolle und jeder Vogel wäre recht gewesen? Zuvor tauchen ja auch schon Vögel in dem Kapitel auf (u.a. eine Krähe), allerdings werden sie von der Reisegruppe als Späher angesehen.


Warum es eine Drossel war, kann ich auch nicht sagen. Die Krähen kamen doch auch bei HdR nicht gut weg, oder? Allerdings werden in dem Kapitel auch die Raben genannt, auch wenn sie da noch nicht auftauchen. M.E. hat es aber schon eine Bedeutung, wenn ein Berg nach einer Vogelart benannt wird. Aber die Drossel ist ja mit dem nach dem Berg benannten Vögeln befreundet, wenn ich mich recht erinnere.

Zu Dal/Thal:
In meiner Kreege-Übersetzung vom Hobbit heißt es auch schon Thal.
Offensichtlich hat nur Scherf in seiner Übersetzung den Namen Dal verwendet.


Mit Bard ist es offensichtlich ähnlich, da er in den Anhängen Brand genannt wird.

Übrigens stehen in der Herr der Ringe die Gefährten auch vor einer verschlossenen Tür und wie in diesem Fall so trägt auch dort ein Hobbit zur Öffnung der Tür bei.


Du meinst im Film, da ist es eindeutig Frodo, der das Wort "Mellon" sagt, aber im Buch kommt Gandalf auf des Rätsels Lösung. Merry hatte ihn zwar mit seiner Frage: "Was soll das bedeuten, sprich, Freund und tritt ein?" einen indirekten Hinweis gegeben, aber Gandalf sagt selbst, dass des Rätsels Lösung für einen Gelehrten in diesen Zeiten zu einfach war.
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