So 26. Okt 2008, 13:31
So, dann machen wir mal weiter...
16. Kapitel - Ein Dieb in der Nacht
Die nächsten Tage vergingen sehr langsam und die meisten Zwerge verbrachten ihre Zeit damit, den Schatz zu ordnen und aufzustapeln. Thorin sprach nur noch vom Arkenjuwel und bat alle darum, überall danach zu suchen.
Laut Thorin war der Arkenjuwel seines Vaters Thrains mehr Wert als ein ganzer Fluss aus Gold und er erklärte diesen Stein zu seinem ausschließlichen Eigentum.
Da bekam es unser Bilbo dann doch etwas mit der Angst zu tun und er überlegte, was wohl mit ihm passieren würde, wenn man den Juwel bei ihm finden würde. Bilbo hatte ihn in alte Lumpen eingewickelt und benutzte diese in der Nacht als Kopfkissen. Bilbo erwähnte es jedoch nicht und als seine Angst größer wurde, reifte ihm ein Plan heran.
Eines Tages brachten die Raben Nachricht davon, dass Dain mit ca. 500 Zwergen von den Eisenbergen hierher auf dem Weg war und nur noch zwei Tagesmärsche von Dal entfernt war. Dain rückte von Nordosten an.
Der alte Rabe bemerkte noch, dass Dain und sein Trupp den Berg nicht unbemerkt erreichen würden und somit wäre eine Schlacht unausweichlich. In der Schlacht könnten die Zwerge jedoch sicher nicht siegen, da die Belagerer in der Überzahl wären. Außerdem folge dem Zwergenheer der Winter mit Schnee auf den Fersen. Ohne Lebensmittel könnten die Zwerge einen Winter nicht überstehen und vom wem sollten sie diese erhalten, da sie mit den umliegenden Völkern im Clinch liegen. Somit wäre der Schatz doch ihr Tod, obwohl es keinen Drachen mehr gibt.
Thorin war zu einer Einlenkung jedoch nicht bereit. Seiner Meinung nach würden der Winter und Schnee den Menschen und Elben genauso viel schaden. Mit seinen Freunden hinter ihnen und dem Winter über ihnen würde somit leichter zu verhandeln sein.
Da beschloss Bilbo in der Nacht was zu unternehmen. Draußen war es dunkel und kein Mondlicht erhellte die Nacht. Aus einem Bündel in der Ecke der Halle holte er ein Seil hervor und dann wickelte er den Arkenjuwel in einen Lappen. Zu diesem Zeitpunkt hielt nur Bombur Wache und klagte über die Kälte und wünschte sich, dass sie auch so ein Feuer hätten wie die da unten. Der Zwerg hatte bis Mitternacht Dienst und war etwas sauer auf Thorin, aber er wagte es trotzdem nicht, sich gegen ihn aufzulehnen.
Bilbo bot ihm an seine Wache zu übernehmen, da er in dieser Nacht eh keinen Schlaf finden würde und seine Beine schon ganz steif von dem vielen Treppensteigen waren. Bombur nahm das Angebot begeistert an, den er war müde und hungrig. Er erkärte dem Hobbit noch, wo er liegen würde und Bilbo versprach ihm, ihn kurz vor Mitternacht zu wecken, damit er der nächsten Wache bescheid geben konnte.
Bombur war kaum verschwunden, da streifte sich Bilbo seinen Ring über, befestigte das Seil, giltt die Mauer herunter und war verschwunden. Bilbo hatte ungefähr 5 Stunden für sein Vorhaben Zeit und Bombur würde sicher fest schlafen, da dieser fest schlief und immer noch versuchte, seiner wunderbaren Träume vom Nachtwald einzufangen.
Es war immer noch sehr dunkel und als Bilbo den erst kürzlich angelegten Steig verlassen hatte betrat er unbekanntes Gebiet. Er gelangte endlich zu der Flussbiegung und wenn er das Lager erreichen wollte, musste er das Wasser überqueren. Obwohl der Fluss an der Stelle sehr seicht war, war es für den kleinen Hobbit dennoch nicht leicht. Er hatte es fast geschafft, als er auf einen Stein ausglitt und mit einem Klatscher in das kalte Wasser fiel. Bilbo hatte kaum zitternd und total durchnässt das Ufer erreicht, als die Elben auch schon mit brennenden Laternen nach der Ursache des Geräusches suchten.
Die Elben waren sich ziemlich sicher, dass dies kein Fisch gewesen sein konnte sondern nur ein Spion und waren der Überzeugung, dass es sich nur um das merkwürdige kleine Wesen, den Diener der Zwerge handeln konnte.
Dies nahm ihnen Bilbo grummelnd übel, aber er musste dabei heftig nießen und die Elben gingen rasch auf das Geräusch zu.
Bilbo streifte den Ring ab und sprang hinter einem Stein hervor. Trotz der Überraschung ergriffen ihn die Elben schnell und stellten lauter Fragen wer er sei, was er hier wolle und wie er durch die Postenkette gekommen war.
Bilbo war jedoch keineswegs bereit, diese zu beantworten und stellte sich nur vor und verlangte, zu Bard gebracht zu werden.
Auch wenn die Elben hierfür den Grund wissen wollten, war Bilbo nicht bereit, ihn diesen zu verraten. Er riet den Elben, ihn lieber zu ihren Anführern und ans Feuer zu bringen, wenn sie jemals wieder in ihre Wälder heimkehren wollten. Auch hatte er nur ein oder zwei Stunden für sein Anliegen Zeit.
Nachdem sich Bilbo vor 2 Stunden durch das Tor geschlichen hatte saß er an einem warmen Feuer und wurde vom Elbenkönig und Bard verwundert angestarrt. Ein Hobbit in einer Elbenrüstung und eingewickelt in eine alte Decke war wohl kein alltäglicher Anblick.
Bilbo sprach in seinem schönsten Geschäftston, als er den beiden Anführern erklärte, dass er über die ganze Angelgenheit sehr unglücklich war und überhaupt nicht damit einverstanden. Er wolle nur noch eins: nach Hause. Jedoch habe er an der Sache noch ein geschäftliches Interesse, da sich sein Anteil an dem Schatz auf ein Vierzehntel beläuft. Glücklicherweise verfüge er noch über den Brief, der ihm diesen Anteil zusagt.
Bilbo habe absolut nichts dagegegen, dass die anderen ihren Anteil erhalten und er dann vom Rest des Gewinns sein Vierzehntel beziehe. Allerdings wisse er, da er Thorin Eichenschild mittlerweile sehr gut kenne, dass dieser eher auf seinem Goldhaufen sitzen bleibe und verhungere, auch wenn die Meschen und Elben nicht abziehen.
Bard entgegnete daraufhin, dass er seinetwegen darauf sitzen bleiben könne, Narren verdienen halt nichts anderes.
Bilbo stimmte ihm zu, gab aber zu Bedenken, dass es auch für die Menschen und Elben nicht einfach sein würde, im Winter für Nachschub zu sorgen und die Belagerung aufrecht zu erhalten. Des weiteren seien noch andere Schwierigkeiten zu bedenken. Sie hätten sicher schon von Dain und den Zwergen des Eisenberges gehört.
Der König stimmte dem zu und fragte den Hobbit, was das denn mit ihnen zu tun hätte. Daraufhin erklärte ihm der Hobbit, dass Dain inzwischen weniger als zwei Tagesmärsche von ihnen entfernt ist sei und mindestens 500 grimmige Zwerge mit sich führe. Diese hätten in Sachen Kriegsführung auch eine Menge Erfahrung durch die schrecklichen Kriege zwischen Zwergen und Orks. Dies könnte zu ernsten Verwicklungen führen, wenn sie erst einmal hier sind.
Bard reagierte über diese Information recht grimmig und nannte den Hobbit einen Verräter an seinen Freunden.
Bilbo fuhr verängstigt zusammen und erläuterte ihm, dass er allen Beteiligten eigentlich nur Kummer ersparen und ihnen ein Angebot unterbreiten wolle.
Der Hobbit holte den Arkenjuwel hervor und entfernte die Lumpen, in die der Stein eingewickelt war.
Selbst der Elbenkönig, der an viel Schönheit gewöhnt, fühlte sich vom Licht des Arkenjuwels geblendet. Bard hingegen konnte nur staunend hinschauen und sagte kein Wort. Der STein sah aus wie eine Kugel, die mit Mondlicht gefüllt war und in einem Netz vor ihnen hinge.
Bilbo erläuterte den anderen, dass dies Throins Arkenjuwel wäre, das Herz des Berges und irgendwie auch das Herz von Thorin. Er schätzte ihn mehr als einen ganzen Fluss aus Gold. Bilbo wolle ihn ihnen geben, damit sie leichter mit Thorin Eichenschild verhandeln könnten.
Nicht ohne das ihm ein Schauder der Angst den Rücken herunter lief und mit einem Bedauern, dass er den Schatz hergeben müsste, gab er ihn an Bard weiter.
Verwundert fragte dieser, ob er denn Bilbo gehöre und dieser ihn so einfach hergeben könne.
Mit leichtem Zögern und Unwohlsein entgegnete der Hobbit, dass ihm dieser Stein wohl nicht so richtig gehören würde. Er sei jedoch bereit, für diesen Juwel auf seinen Anspruch zu verzichten. Ein Meisterdieb würde er von den anderen genannt werden, obwohl er sich selber nie als einer gefühlt hätte. Aber zumindest wäre er ein ehrlicher Meisterdieb, dass hoffe er zumindest. Bilbo wollte nun zurück zu den zwergen gehen und der Dinge harren, die nun auf ihn zu kämen. Gleichzeitig hoffe er, dass zumindest Bard und der Elbenkönig seine Absicht gut finden würden.
Der Elbenkönig blickte den kleinen Hobbit voller Verwunderung an und erklärte ihm, dass er es mehr als wert sei, die Rüstung eines Elbenprinzen zu tragen, als manch anderer. Er solle sich jedoch nicht wundern, wenn Thorin seine Tat anders als sie einschätzen würde. Deshalb böte er ihm an, dass er hier bei ihnen bleiben könne und er hier sehr willkommen wäre.
Bilbo bedankte sich mit einer Verbeugung, erklärte ihnen jedoch, dass er seine Freunde nicht im Stich lassen könne Außerdem hätte er Bobur versprochen, ihn um Mitternacht zu wecken. Aus diesem Gründen müsse er jetzt gehen.
Eine Eskorte geleitete ihn und überall wurde er mit derselben Ehrerbietung gegrüßt wie der Elbenkönig und Bard. Als sie weiter durchs Lager gingen, stand plötzlich ein alter Mann in einem dunklen Mantel auf und schritt ihnen entgegen.
Es war Gandalf und er klopfte Bilbo auf den Rücken und sagte freudig, dass er sehr stolz auf ihn wäre und das in ihm, Bilbo, doch immer noch mehr stecken würde, als einer annehmen würde.
Es war das erste Mal seit vielen Tagen, dass sich Bilbo richtig glücklich fühlte. Bilbo hatte jedoch keine Zeit mehr, Gandalf all die Fragen zu stellen, die sich ihm im Moment aufdrängten.
Der alte Zauberer erzählte ihm, dass sein Abenteuer nun wohl bald vorbei sei, obwohl ihm noch eine unerfreuliche Zeit bevorstehe. Es ginge da etwas vor sich, von dem noch nicht einmal die Raben Bescheid wüssten.
Nun doch leicht beunruhigt und verunsichert eilte Bilbo weiter. Er wurde zu einem sicheren Flussübergang gebracht und kam auch trocken rüber. Bilbo verabschiedete sich von den Elben und mit großer Müdigkeit stieg er vorsichtig zum Eingangstor hinauf.
Rechtzeitig vor Mitternacht erreichte er die Mauer, fand auch das Seil noch vor und kletter hinauf. Nachdem er das Tau aufgerollt und versteckt hatte, setzte er sich an die Mauer und dachte eine Weile angestrengt darüber nach, was jetzt wohl geschehen würde.
Er weckte um Mitternacht Bombur und wickelte sich in seine Schlafdecke. Den Dank des alten Zwerges überhörte er und fiel bald darauf in einen tiefen Schlummer. Er vergass seinen Kummer und Sorgen und träumte in dieser Nacht von Eiern und Schinken.
Edit:
Hier zeigt sich immer mehr, wie der kleine Hobbit über sich hinaus wächst. Obwohl er weiß, dass er sich damit eine Menge ärger einhandelt und er sogar auf seinen Anteil am Schatz verzichtet, geht er dieses Risiko ein. Trotz allen lässt er seine Freunde, die Zwerge nicht im Stich und kehrt zu ihnen zurück, gleich wohl was Thorin mit ihm anstellen wird, wenn er erfährt, was Bilbo getan hat.
Auch kehrt Gandalf wieder in die Geschichte zurück und erwähnt, dass ein Übel auf sie zukommt von dem noch nicht einmal die Raben wissen.
Hier stellt sich noch die Frage, ob Gandalf auch gerade erst bei den Elben und Menschen angekommen ist und ihnen noch nicht den Grund seines Auftauchens erklären konnte oder ob der Elbenkönig und Bard schon Bescheid wussten.
Auch steht mit dem alten Raben Thorin eigentlich ein weiser Ratgeber bei. Jedoch ist dieser immer noch nicht in der Lage, den Rat von ihm anzunehmen und weißt diesen somit wieder ab.